
Therapie der Angina-pectoris-Symptomatik mit ESC-Paradigmenwechsel bei CCS im Blick
Therapie der Angina-pectoris-Symptomatik mit ESC-Paradigmenwechsel bei CCS im Blick
Mehr Selbstbewusstsein der Hausärzteschaft bei ANOCA/INOCA
München, 18. August 2025 – Patienten mit Angina-pectoris-Symptomen ohne Befund in der Koronarangiographie: Ein Patientenklientel, das entweder wiederholt zur invasiven Diagnostik geschickt oder als psychosomatisch eingestuft wurde. Spätestens seit dem ESC-Update mit seinem Paradigmenwechsel hin zu ANOCA und INOCA ist klar, dass es sich dabei um funktionelle Störungen, wie mikrovaskuläre Dysfunktion oder Koronarspasmus handeln kann. Mehr als die Hälfte mit Verdacht auf ein CCS haben eine ANOCA/INOCA – das wurde lange nicht erkannt oder unzureichend behandelt.¹’² Die Internistin Dr. med. Annett Maschke erklärt im Interview, inwieweit der Paradigmenwechsel bereits Einzug in das hausärztliche Bewusstsein und Praxisgeschehen gehalten hat und zeigt auf, wann an eine mikrovaskuläre Störung zu denken ist und in welchen Punkten die Hausärzteschaft bei ANOCA und INCOA eigenverantwortlich handeln kann.
Mehr Aufmerksamkeit und eigenverantwortliches Handeln bei ANOCA/INOCA
„Es gibt noch eine weitere Ursache für Angina pectoris, die man im Blick behalten sollte“, erklärte Dr. med. Annett Maschke, Internistin mit niedergelassener Hausarztpraxis in Woltersdorf und verwies auf das aktuelle ESC-Update zum Chronischen Koronarsyndrom (CCS). Gemeint sind Menschen mit Angina pectoris ohne Stenosen der Koronararterien: ANOCA und INOCA (Angina oder Ischämie ohne obstruktive koronare Gefäßerkrankung). Diese Begriffe bündeln mehrere funktionelle Störungen, bei denen keine Stenose der großen Koronargefäße vorliegt, darunter mikrovaskuläre Dysfunktion oder Koronarspasmus.¹ „Im aktuellen Update wurde erstmals klar benannt, dass es Patienten gibt, die trotz optimaler Versorgung ihrer koronaren Herzkrankheit, zum Beispiel durch einen Herzkatheter oder chirurgische Eingriffe, weiterhin Beschwerden haben. Oder auch solche Patienten, bei denen zwar eine KHK besteht, aber keine relevanten Stenosen nachweisbar sind, sodass eine interventionelle Behandlung nicht sinnvoll erscheint. Und trotzdem haben sie Beschwerden, die sich dann möglicherweise auf mikrovaskuläre Ursachen zurückführen lassen“, erläuterte Dr. Maschke. „In der Praxis erleben wir aber, dass genau diese Patientengruppe immer wieder mit Symptomen zurückkommt.“
Für Hausärzte bedeute das: „Auch wenn die klassischen Befunde zunächst unauffällig erscheinen, sollten wir die Beschwerden ernst nehmen und auch behandeln“, betonte Dr. Maschke. Nach ihrer Einschätzung handle es sich dabei häufig um Fälle, die hausärztlich gut begleitet werden können. „Gerade ältere Patienten, bei denen man sich bewusst gegen einen weiteren Herzkatheter entscheidet, werden meist konservativ behandelt. Kardiologisch sind
sie oft schwer unterzubringen. In solchen Fällen ist es wichtig, dass Hausärzte eigen-verantwortlich handeln und dies mit dem nötigen Selbstbewusstsein tun“, forderte Maschke.
Hausärztliche Therapieentscheidung nach medikamentöser Kaskade
„Ich würde empfehlen, zunächst die Begleiterkrankungen genau zu erfassen. Wenn trotz unauffälliger makrovaskulärer Befunde weiterhin typische Symptome wie Angina pectoris bestehen, sollte unbedingt auch an mikrovaskuläre Ursachen gedacht werden“, stellte Dr. Maschke heraus. Wenn sie bei ihren Patienten von dieser Verdachtsdiagnose ausgehe, arbeite sie medikamentös eine bestimmte Kaskade ab:
- Betablocker
- Calciumantagonisten als Zusatz – sofern verträglich
- Wenn diese Maßnahmen nicht ausreichen: Langzeitnitrat
„Behandle ich in der hausärztlichen Versorgung ohne direkte kardiologische Unterstützung, starte ich in der Regel mit einem Betablocker und kombiniere, wenn möglich, mit Pentalong®“, bekräftigte Dr. Maschke und verwies auf die gute Wirksamkeit und sehr gute Verträglichkeit des Medikaments. „Auch der Blutdruck wird durch Pentalong® nur in geringem Maße gesenkt, was therapeutisch oft von Vorteil ist.“ Sollte der Blutdruck niedrig sein, verzichte Dr. Maschke eher auf den Calciumantagonisten, da dieser oft blutdrucksenkend wirke. Aus hausärztlicher Erfahrung sei es zudem wichtig, bei der Therapie auch mal querzudenken. „In der Praxis ist es oft so: Leitlinien und Kaskaden bieten einen Rahmen, aber letztlich bestimmen der klinische Alltag und die individuelle Situation der Patienten die Entscheidung“, bekräftigte Dr. Maschke. Neben der medikamentösen Symptomkontrolle sei zudem der Lebensstil ein zentraler Aspekt, der adressiert werden müsse.
Der differenziertere Blick auf ANOCA/INOCA eröffne laut Dr. Maschke neue diagnostische und therapeutische Perspektiven und das Thema verdiene mehr Aufmerksamkeit, insbesondere in Bezug auf die Wahrnehmung des betroffenen Patientenklientels und die möglichen Therapieoptionen. „Ich denke, es ist wichtig, die Sensibilität für diese Problematik und für Medikamente zu schärfen, die durchaus zu mehr Lebensqualität beitragen können“, ermutigte Dr. Maschke. Leider sei die Thematik der nicht-invasiven Behandlung der Patienten mit entsprechenden Beschwerden laut Dr. Maschke in der hausärztlichen Versorgung bislang noch gering ausgeprägt.
Referenzen:
- Vrints C et al. 2024 ESC Guidelines for the management of chronic coronary syndromes: Developed by the task force for the management of chronic coronary syndromes of the European Society of Cardiology (ESC) Endorsed by the European Association for Cardio-Thoracic Surgery (EACTS). Eur Heart J. 2024; 45(36): 3415-3537; doi.org/10.1093/eurheartj/ehae177.
- ESC Press Office. New Chronic Coronary Syndrome (CCS) Guidelines expand diagnostic tools and ways to prevent major adverse events and enhance quality of life. 2024. Online verfügbar unter: https://www.escardio.org/The-ESC/Press-Office/Press-releases/New-Chronic-Coronary-Syndrome-CCS-Guidelines-expand-diagnostic-tools-and-ways-to-prevent-major-adverse-events-and-enhance-quality-of-life (abgerufen am 01.08.2025).
Pflichttext:
Pentalong® 50 mg
Wirkstoff: Pentaerithrityltetranitrat (PETN). Zus.: 1 Tab. enth. 50 mg PETN, Lactose-Monohydrat, mikrokristal. Cellulose, Kartoffelstärke, Talkum, Gelatine, Magnesiumstearat (Ph.Eur.) [pfl.], hochdisp. Siliciumdioxid, Sorbitol. Anw.: zur symptomat. Beh. chron. stabiler Angina pectoris bei Erw. mit gesicherter koronarer Herzkrankheit u. eingeschr. körperl. Belastbarkeit, bei denen Beta-Blocker unverträglich od. kontraind. sind od. keine ausr. antianginöse Wirkung haben. Gegenanz.: Überempf. gg. den Wirkstoff, anderen Nitroverbindungen od. sonst. Bestandt.; akutes Kreislaufversagen (Schock, Kreislaufkollaps), kardiog. Schock sof. nicht durch intraaortale Gegenpulsation od. pos. inotrope Pharmaka ein ausr. hoh. linksventrikulärer, enddiastolischer Druck gewährleistet ist; ausgepr. Hypotonie (systol. Blutdruck ≤ 90 mmHg), akut. Myokardinfarkt, gleichz. Einnahme v. Phosphodiesterase-5-Hemmer, z. B. Sildenafil, weil es in diesem Fall zu einem erhebl. blutdrucksenkenden Effekt kommen kann; Entw. akut. pektanginöse Beschw. bei Pat. die Phosphodiesterase-5-Hemmer (z. B. Sildenafil) eingen. haben. Nebenw.: insbes. bei Behandlungsbeg. häufig Schläfendruck u. Kopfschm. („Nitratkopfschmerz“) die erfahrungsgem. meistens bei weiterer Einnahme nach einig. Tagen abkl.; bei Erstanw. u. bei Dosiserh. Abfall d. Blutdrucks u./od. orthostat. Hypotension, die mit reflekt. Erhöh. d. Pulsfrequenz, Benommenheit sow. Schwindel- u. Schwächegef. einhergeh. können. Starker Blutdruckabfall m. Verstärkung d. Angina pectoris-Sympt., Kollapszust. m. bradykard. Herzrhythmusstör. u. Synkopen. Übelkeit, Erbrechen, flücht. Hautröt. (Flush) u. allerg. Hautreakt., exfol. Dermatitis/Stevens-Johnson-Syndrom od. Angioödeme. Bei Gabe von Pentalong kann, bed. durch e. rel. Umvert. d. Blutflusses in hypoventilierte Alveolargeb., e. Hypoxämie auftreten u. bei Pat. mit koronarer Herzkrankh. Ischämie ausl., f. PETN wird auf d. f. andere Arzneim. d. Gruppe bek. Mögl. d. Entw. e. Toleranz bzw. d. Auftretens e. Kreuztoleranz gegenüber anderen Nitroverbind. unter hoh., kontinuierl. Dos. hingew., bei ersten Zeichen e. Unverträgl.reakt., darf Pentalong nicht nochmals eingen. werden. Warnhinweise: Enth. Lactose-Monohydrat u. Sorbitol, Arzneim. f. Kinder unzugänglich aufbewahren. Wechselwirkungen, Dosierung und weitere Hinweise siehe Fach- und Gebrauchsinformation. Abgabestatus: Verschreibungspflichtig. Pharmazeutischer Unternehmer: PUREN Pharma GmbH & Co. KG. Stand: Mai 2023.